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«Langweilig wird es mir sicher nicht»

Mitte März gewann Céline Grossmann «Gusto 25», die Schweizer Meisterschaft für Kochlernende. Nun verrät sie ihre Pläne.

  • Sie hat alles gegeben, effizient gearbeitet und präzise abgeschmeckt: Die strahlende Siegerin Céline Grossmann. (Bilder zvg)
  • Das Siegergericht: Belper-Knolle-Krokette, Teriyaki Flat Iron mit Yuzu-Sauce, Schwarzwurzel, Miso-Zwiebel, Bao Bun mit Nierenzapfen und Mezcal-Cocktail.
  • Petersilienwurzelsuppe mit einer Einlage aus Senf, Birne und Gruyère AOP.

HGZ: Céline Grossmann, als Sie nach Ihrem «Gusto»-Sieg allen gedankt haben, hat Ihre Stimme gezittert.

Céline Grossmann: Das war sehr emotional. Ich habe lange auf diesen Moment hingearbeitet und wurde von allen sehr unterstützt. Insbesondere von Marcel Schori, der bis letzten Herbst Sous-chef in der Stiftung für Betagte in Münsingen/BE war und mich weiterhin begleitet hat. Aber auch von meiner Familie und meinem Berufsschullehrer Erwin Mumenthaler, bei dem bereits «Gusto 05»-Sieger Lorenz Wegelin zur Schule ging.

Wie viele Male haben Sie Ihr Menü geübt?

Ich habe alles siebenmal durchgekocht. Das war aber nur ein Teil der Vorbereitung. Bereits das Kreieren der Hauptspeise letztes Jahr war aufwendig. Ebenso das Ausarbeiten des detaillierten Ablaufplans. Das hat sich aber gelohnt: Ich habe nach dem Wettkochen von vielen gehört, dass sie von ­meiner Organisation und dem durchgehend sauberen Arbeitsplatz beeindruckt waren.

Der Jurypräsident hat Ihren Hauptgang bei der Preisverleihung als «multisensorische Darbietung» gelobt.

Die Worte von Yanick Mumenthaler haben mich sehr gefreut. Es war das erste Mal, dass er sich zu meinen Gerichten geäussert hat. Er arbeitet zwar ebenfalls in meinem Ausbildungsbetrieb, hat aber von Beginn an klargemacht, dass er sich komplett aus meiner Bewerbung raushält.

Sie haben schon vor Ihrer Ausbildung mehrere Praktika gemacht. Wie kam es dazu?

Bei der Stiftung für Betagte gab es erst ein Jahr nach meinem Schulabschluss eine Stelle. Deshalb nutzte ich die Zeit, um mehr über die Produkte zu erfahren, mit denen ich heute koche. So arbeitete ich einige Monate in einer Käserei, in einer Metzgerei, auf einem Bauernhof und durfte sogar Pâtissier Rolf Mürner und Naturkoch Stefan Wiesner begleiten. Dieses Zwischenjahr hat sehr zu meiner Wertschätzung für unsere regionalen Produkte beigetragen.

Wieso wollten Sie unbedingt in die Heimgastronomie?

Mir waren geregelte Arbeitszeiten wichtig, auch weil ich schon immer an Kochwettbewerben teilnehmen wollte. Ausserdem macht es riesig Spass, den Bewohnenden Freude zu bereiten. Natürlich ­mögen sie lieber traditionelle ­als ausgefallene Gerichte. Dabei steht der Geschmack aber genauso im Zentrum. Das ist auch für mich das Wichtigste in der Küche. Und die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich ebenfalls über kreative Dekorationen oder selbst gemachtes Kräuteröl.


«Die Küche ist meine Arena, der Sieg war mein Ziel.»


Sie haben auch schon den Hug Creative Tartelettes Contest gewonnen und sind bereits in der Junioren-Kochnationalmannschaft. Was hat Sie an «Gusto» gereizt?

Ich bin ein sehr kompetitiver Mensch und «Gusto» ist der renommierteste Wettbewerb für Kochlernende in der Schweiz. Und seit ich vor zwei Jahren im Live-Stream gesehen habe, wie Angela Künzler gewonnen hat, wusste ich, dass ich auch auf dieser Bühne stehen will.

Was hat Ihnen die Teilnahme rückblickend gebracht?

Ich hatte eine super Zeit. Zwar hat mich die intensive Vorbereitung auch an meine Grenzen gebracht. Ich habe gelernt, mich für meine Ziele durchzubeissen. Und ich habe enorm viele Leute kennengelernt, darunter meine fünf Mitfinalisten. Wir haben schon abgemacht, dass wir bald Tiziano Palazzo in Zermatt besuchen.

Im Sommer schliessen Sie Ihre Ausbildung ab. Was kommt danach?

Ab August will ich meine Leidenschaft in ein eigenes Catering investieren, auch wenn das Mut braucht. Daneben ergibt sich vielleicht noch das eine oder andere Praktikum. Mich reizt die Haute Cuisine verbunden mit Natürlichkeit. Etwa so wie sie Stefan Wiesner praktiziert oder Daniel Humm seine vegane Küche umsetzt. Und im Winter könnte ich meinen «Gusto»-Preis in Singapur einlösen. Vielleicht geht es dann direkt weiter nach Malaysia zu einem pensionierten Koch-Freund. Auf jeden Fall wird es mir sicher nicht langweilig.

(gab)


20 Jahre erfolgreiche Nachwuchsförderung

«Gusto» inspiriert die jungen Kochtalente. Das kommt der ganzen Gastrobranche zugute.

Céline Grossmann ist die zwanzigste Gewinnerin von «Gusto»: Seit 2005 organisiert Transgourmet/Prodega diese Schweizer Meisterschaft für Kochlernende. Dies unter dem Patronat des Schweizer Kochverbandes, unterstützt von Presenting Partner Schweizer Fleisch, den Leading Partnern Bell, Emmi, Hügli, Kadi und Valser sowie zahlreichen weiteren Sponsoren. Anlässlich der Preisverleihung wurde das 20-Jahr-Jubiläum zelebriert, indem ehemalige Gewinnerinnen und Gewinner erzählten, was sie heute machen.

Alex Prack (Sieger 2011) hat zum Beispiel ein Hot-Dog-Catering, Elisabeth Albrecht (2012) ist Berufsschullehrerin, Thomas Habegger (2013) kann als Privatkoch engagiert werden und Laura Loosli (2019) entwickelt unter anderem Firmengeschenke. Sie kreierte das «Gusto 25»-Schoggi-Give-away. Auch Lorenz Wegelin stand auf der Bühne, auf der er vor zwanzig Jahren zum ersten «Gusto»-Sieger gekürt wurde. Inzwischen verantwortet er den Hotellerie-Bereich in fünf Pflegebetrieben der ­Domicil Bern AG.

Das alles zeige, was Nachwuchsförderung bewirken könne, freute sich Philipp Dautzenberg, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Transgourmet/Prodega. «Junge Talente brauchen neben einer ausgezeichneten Ausbildung auch Anreize, sich weiterzuentwickeln. ‹Gusto› motiviert, inspiriert und verbindet.» Das kommt der gesamten Branche zugute. Wer den engagierten Nachwuchs fördert, sorgt dafür, dass die Gastronomie lebendig, kreativ und wettbewerbsfähig bleibt.


Mehr Informationen unter: gusto.transgourmet.ch