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«Campen ist heute ein Reisegefühl»

Der Zentralpräsident von Swisscamps feiert mit seinem Verein das 50-Jahr-Jubiläum. Politisch möchten sie mehr Gewicht erhalten.

  • Für Marcel Zysset bedeutet Campieren absolute Ungezwungenheit.(zvg)
  • Der Campingplatz Aaregg liegt direkt am Brienzersee. Einige Gäste bleiben oft nicht länger als eine Woche. Das habe mit der Art des Reisens zu tun. (David Birri)

Marcel Zysset, Swiss­camps, der Verband Schweizer Campings, feiert sein 50-jähriges Bestehen. Welches waren die wichtigsten Ereignisse im letzten halben Jahrhundert?

Die Art zu campieren hat sich gewandelt. Früher war Campen ein Feriengefühl, heute ist es ein Reisegefühl. Wir haben nicht mehr so viele Gäste, die eine Woche oder länger bei uns Ferien machen.

Derzeit sind Ihnen rund 200 Campingplätze angeschlossen. Wie hat sich die Mitgliederzahl entwickelt?

Früher waren mehr Campingplätze Mitglied von Swisscamps. Wir konnten das Wallis und die Waadt wieder als Regionalverband dazugewinnen. Grundsätzlich gibt es immer weniger Campingplätze, dafür mehr Menschen, die campieren möchten. Einige Gemeinden wollen keine Campingplätze mehr. Ein weiterer Grund ist, dass die Plätze in Gefahrenzonen liegen und geschlossen werden müssen. Oder es werden keine Nachfolger für die Leitung der Anlagen gefunden.

Wie unterstützt Swisscamps seine Mitglieder?

Kürzlich haben wir uns mit vier anderen Verbänden, darunter dem TCS, zusammengeschlossen und die IG Campingland Schweiz gegründet. Damit erhielten wir Einsitz in den Verein Parahotellerie Schweiz und gewinnen mehr politisches Gewicht. So verhindert zum Beispiel das neue Raumplanungsgesetz teilweise, dass neue Plätze erstellt werden können. Oder es führt dazu, dass Plätze schliessen müssen. Da möchten wir auf politischer Ebene mehr Gewicht erhalten.

Was macht für Sie persönlich das Campieren aus?

Mir wurde das Campieren in die Wiege gelegt. Ich führe den Campingplatz Aaregg in Brienz/BE in dritter Generation. Meine Grosseltern haben in den 1950er-Jahren Campern erlaubt, ihren Wohnwagen auf unserem Land aufzustellen. Mit der Zeit ist daraus ein Campingplatz geworden. Für mich bedeutet Campen Erholung. Meine Frau und ich haben einen Wohnwagen auf einem Campingplatz im Tessin. Da können wir am besten abschalten.

Während der Corona-Pandemie erfreute sich das Campieren einer riesigen Nachfrage, wie sieht es aktuell aus?

Etwa zehn Prozent der Schweizerinnen und Schweizer campieren regelmässig. Während der Pandemie «hets gräblet», und wir wurden richtiggehend überrannt. Aber viele von denen, die damals campierten, sind wieder in die Hotels zurückgekehrt.

Woher kommen Ihre Gäste?

50 Prozent unserer Gäste sind aus der Schweiz. Die anderen 50 Prozent sind aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, den Niederlanden und dem restlichen Europa. Ganz wenige kommen aus Asien. Und viele unserer Gäste sind Stammgäste.

Viele Camper generieren nur wenig Wertschöpfung bei den Restaurants und den Ge­schäften rund um die Campingplätze. Wie sehen Sie das?

Natürlich gibt es diejenigen, die ihr Essen und sogar das Bier selber mitbringen, aber die sind die Ausnahme. Viele unserer Gäste kochen nicht in ihren Reisemobilen. Vielleicht grillen sie ein oder zwei Mal. Ansonsten besuchen viele die Restaurants im Dorf. Und auch die Detailhändler merken, wenn unser Camping gut besucht ist.

(Daniela Oegerli)


Zur Person

Marcel Zysset (57) ist ausgebildeter Landwirt. Nach der Lehre hat der die Handelsschule und den Wirtekurs absolviert. Weiter amtet er im Verwaltungsrat der Jungfraubräu. Er ist verheiratet und Vater von einem Sohn. Auf seinem Campingplatz Aaregg beschäftigt er 20 Mitarbeitende.

Mehr Informationen unter: swisscamps.ch