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Ein Stück Heimat zum Anpfiff der Frauen-EM

Brotsommelier und Bäcker Patrick Bohnenblust bat die Botschafter um Rezepte. Alle lieferten und kamen ­zum Probieren in seine Backstube.

  • Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado kam aus dem Schwärmen nicht heraus. Sein Rezept stammt aus der berühmten Bäckerei «Il Gianfornaio» in Rom. (Bilder Bern Welcome)
  • Einar Gunnarsson, Botschafter von Island, reiste aus Genf in die Backstube von Patrick Bohnenblust.
  • An der Seite von Patrick Bohnenblust knetet der portugiesische Botschafter Júlio Vilela gemeinsam mit seiner Frau von Hand den Teig für das traditionelle Maisbrot.
  • Spanien, dessen Fussballerinnen aktuell den Weltmeistertitel tragen, wird in der Schweiz von Botschafterin Celsa Nuño vertreten.

Vom 2. bis 27. Juni kämpfen in der Schweiz die besten europäischen Fussballerinnen um den Pokal. So werden im Berner Stadion Wankdorf die Teams aus Italien, Spanien, Portugal, Island und der Schweiz gegeneinander antreten. Für Patrick Bohnenblust, Inhaber der Bäckerei Bread-à-porter in Bern, ist dies ein Anlass, um etwas Besonderes auf die Beine zu stellen. «Über die Frauen-EM wird viel zu wenig gesprochen», findet der Brotsommelier. Genau das wollte er ändern und initiierte ein Projekt, das überrascht – und genau ins Schwarze trifft. «In meiner Ausbildung zum Brotsommelier habe ich viel über regionale Besonderheiten in der Brotkultur gelernt», sagt der Bäcker. Jedes Land hat eigene Spezialitäten: typisch, traditionell, unverwechselbar. Diese Vielfalt brachte ihn auf eine besondere Idee: «Warum nicht den Botschaften der teilnehmenden Länder symbolisch ein Stück Heimat servieren?»

So nah wie möglich an das Original kommen

Für den Bäcker Patrick Bohnenblust passen Brot und Fussball zusammen. Denn wie der Fussball verbindet auch die Kulinarik über Grenzen hinweg. «Kulinarik bietet Emotionen, genauso wie der Sport», ergänzt er.

Zwar weiss Patrick Bohnenblust Bescheid über Eigenheiten und Unterschiede bei Brotsorten. Um möglichst authentische Rezepte zu erhalten, kontaktierte der leidenschaftliche Bäcker mithilfe von Rebekka Gfeller vom International Bern Welcome Desk IBWD die Botschaften. Das IBWD ist die offizielle Kontakt- und Verbindungsstelle für die internationale Gemeinschaft in Bern.

«Unsere Anfrage stiess bei den Botschaftern auf grosses Interesse», erzählt der Bäcker. «Ich bekam Originalrezepte von landestypischen Spezialitäten, und sie organisierten Profis, die Tipps gaben, wie die Brote am besten nachgebacken werden können.» So kommen bei «Bread-à-porter» nun spanische Molletes, portugiesische Broas de Milho, isländische Hjónabandssæla und italienische Pizze bianche frisch aus dem Ofen.

Emotionen und Freudentränen

«Ich testete die Rezepte, wie ich sie bekam», erklärt Patrick Bohnenblust sein Vorgehen. «Dann machte ich Anpassungen und suchte nach entsprechenden Zutaten und Lieferanten.» Für die spanischen Molletes zum Beispiel braucht es Hartweizenmehl. Bei seinen Lieferanten fand er jedoch nur den gröberen Hartweizendunst. Die Müller Jakob und Walter Iseli aus Mirchel/BE waren vom Projekt begeistert und haben ihm eine kleine Menge feines Mehl aus Hartweizen gemahlen.

Natürlich wurden die Botschafter zu einem Tasting eingeladen, bei dem Erinnerungen an ihre Heimat geweckt werden sollten. «Alle Botschafter hatten Rezepte vermittelt, und alle kamen auch zum Tasting», freut sich Rebekka Gfeller vom IBWD.


«Brotgenuss beginnt bereits beim Aufschneiden.»

Patrick Bohnenblust, Inhaber «Bread-à-Porter»


Der portugiesische Botschafter Júlio Vilela knetete gemeinsam mit seiner Frau von Hand den Teig für das traditionelle Maisbrot – stilecht mit einem Fanschal in den Landesfarben um den Hals. Ähnlich wie ein Brühstück, bei dem Mehl mit heissem Wasser übergossen zum Quellen gebracht wird, setzte Patrick Bohnenblust dafür eine Polenta an. «Ich konnte fast nicht glauben, dass aus so viel Polenta ein feines Brot entstehen könnte», so der Profi. Als das Brot später angeschnitten wurde, hielt der Botschafter kurz inne und sagte lächelnd: «Los, wies chnusperet!» – eine charmante Umschreibung für das knusprige Geräusch, das die Brotkruste beim Aufschneiden macht.

Einar Gunnarsson, Botschafter von Island, reiste aus Genf an. In der Backstube tauschte er den Sakko gegen ein Fussballtrikot und begann tatkräftig mit anzupacken. Auch der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado kam aus dem Schwärmen nicht heraus. Sein Rezept stammt aus der berühmten Bäckerei «Il Gianfornaio» in Rom, welches bei ihm Erinnerungen an seine Kindheit hervorruft. Trotz des einfachen Rezepts kommt Bäcker Bohnenblust an Grenzen. Der Ofen für die Pizza bianca hätte auf 300 Grad geheizt werden sollen, seiner gibt aber nur 260 Grad her. Knusprig wurde die Pizza bianca dennoch.

Spanien, dessen Fussballerinnen aktuell den Weltmeistertitel tragen, wird in der Schweiz von Botschafterin Celsa Nuño vertreten. Auch sie zeigte sich in der Backstube von Bohnenblust stolz mit dem Fanschal.

Fester Bestandteil des «Bread-à-porter»-Sortiments

Die Länderbrote sollen nun ihren Weg ins Sortiment von «Bread-à-porter» finden. «Auf dem Märit werde ich sicher die spanischen und die portugiesischen Brote anbieten – mit einer kleinen Länderflagge im Brötchen», erklärt Patrick Bohnenblust. Das steigere die Vorfreude auf die UEFA Women’s Euro 2025.

Auch Gastronomiebetriebe werden sich an den kulinarischen Kreationen erfreuen können: Diverse Restaurants hätten bereits Interesse an der Pizza bianca oder den Molletes bekundet.

Der persönliche Traum von Patrick Bohnenblust ist, dass auch die Spielerinnen der teilnehmenden Nationalteams in den Genuss der Brote kommen. «Ein kleines Stück Heimat vor dem Spiel, das wäre doch schön», meint er. Dann grinst er: «Wobei ich vermute, dass Kohlenhydrate nicht unbedingt auf dem Ernährungsplan der Spielerinnen stehen.»

(gab)


Mehr Informationen unter:

bread-a-porter.ch

bern.com