Advent, Weihnacht und Silvester – kein Monat wird so sinnlich berauschend zelebriert wie der Dezember. Wer die Sinneseindrücke zu orchestrieren weiss, kann Overkill vermeiden und das ganze Jahr über den Umsatz steigern.
Lichterglanz, Weihnachtsmusik, Glühweinduft. Egal, ob man das alles mag oder nicht, die Feiertage sind für Tast-, Seh-, Hör-, Geruchs- und Geschmacksinn eine intensive Zeit. Damit den Gästen vom Sinnesrausch kein veritabler Kater zurückbleibt, gilt es, die Eindrücke wohl zu dosieren und sie gezielt einzusetzen.
Sorgfältig ausgewählte und aufeinander abgestimmte Düfte, Klänge, Texturen, Farben und Formen sorgen nicht nur für Wohlbefinden. Je nach Einsatz oder gar Kombination der einzelnen Elemente kann man das Konsum- und Kaufverhalten der Gäste, aber auch das Arbeitstempo sowie die Stimmung der Mitarbeitenden beeinflussen.
In hellen, wohlriechenden Räumen arbeitet man einfach lieber als in dunklen und miefigen. Zudem finden die meisten Menschen runde oder kurvige Formen anziehender als rechteckige. Deshalb sind runde Tische bei Gästen oft beliebter als eckige. Doch nicht nur Formen spielen bei den Sinneseindrücken eine Rolle, sondern auch Preise und Farben.
Wie der Verband Cafetiersuisse letzte Woche bekannt gab, werden die Kaffeepreise im neuen Jahr um fünf bis zehn Prozent steigen. Normalerweise sorgt eine Erhöhung des Kaffeepreises bei den Gästen für Unmut. Das muss aber nicht sein.
Gehirnforscher haben herausgefunden, dass Gästen ein Wein, der zu zwei verschiedenen Preisen angeboten wurde, in der teureren Variante besser schmeckte als in der preisgünstigeren. Damit den Gästen auch der teurer gewordene Kaffee wirklich besser schmeckt, gibt es einen einfachen Trick: auf weisse Porzellantassen verzichten. Die Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Kaffeegetränke als aromatischer und weniger süss bewertet werden, wenn man sie in Kaffeegläsern serviert. Heisse Schokolade wiederum schmeckte den Probanden aus orangen Tassen besser als aus weissen.
(Riccarda Frei)
Die Zahl der Alleinreisenden steigt. Alleine an einem kleinen Zweitertischchen zu sitzen, macht wenig Spass und führt dazu, dass mit einem alleinreisenden Gast kaum Zusatzverkäufe gemacht werden können. Das Problem lässt sich mit einem langen Tisch lösen. Trotz Abstand entsteht ein Gefühl der Verbundenheit. Das kann dazu führen, dass eine Flasche Wein geteilt wird oder man sich von Tischnachbarn zu einem Dessert oder Digestif verführen lässt.
Ein Feldversuch in einem Restaurant in Illinois (USA) hat gezeigt: Gästen schmeckt das Essen deutlich besser, wenn der Tisch schön gedeckt und das Licht gedämpft ist. Erklingen dazu leise sanfte, instrumentale Jazzballaden, essen die Gäste langsamer und dadurch im Schnitt 18 Prozent weniger als die Gäste in einem hell ausgeleuchteten Restaurant mit lauter Musik. Für Gastgeber heisst das: Sie können bei der Portionengrösse sparen sowie die Verweildauer der Gäste verlängern und damit die Chance auf Zusatzverkäufe steigern.
Nicht jedes Restaurant möchte, dass die Gäste lange sitzenbleiben. Wer seine Tische während eines Service mehrfach besetzen möchte, kann mit schneller Musik das Esstempo der Gäste beschleunigen. Werden die schnellen Rhythmen etwas lauter als üblich gespielt, verkürzt sich die Verweildauer am Tisch zusätzlich. Wer die Gäste im Lokal halten will, sollte auf harte, laute Beats verzichten.
Dem Duft von frischen Backwaren kann kaum jemand widerstehen. Weht er aus der Tür einer Bäckerei, zieht er Kunden magisch an. Sind die Kunden im Laden, muss der Verkauf rasch über die Bühne gehen. Denn wer länger als drei bis fünf Minuten warten muss, fühlt sich als Folge der Dauerbeduftung satt und kauft weniger ein.
In einer Studie wurde herausgefunden, dass der Teller beeinflusst, wie eine Speise wahrgenommen wird. Das gleiche Erdbeermousse wurde auf einem weissen Teller um 10 Prozent süsser und 15 Prozent aromatischer bewertet als auf einem schwarzen Teller. Runde Teller fördern ebenfalls das Gefühl von Süsse, während Speisen auf eckigen Tellern als salziger empfunden werden. Je nach Tellerwahl könnte der Zuckergehalt reduziert werden.
Rot ist eine Warnfarbe und mahnt zur Vorsicht oder zur Vermeidung. Das führt dazu, dass Menschen deutlich weniger verzehren, wenn das Essen auf einem roten Teller oder einem roten Tablett liegt. Den Konsum deutlich steigern kann man hingegen, wenn zwischen Nahrungsmittel und Teller ein starker Farbkontrast besteht. In einer Langzeitpflegeeinrichtung für Alzheimerpatienten konnten allein durch das Anschaffen von farbigem Geschirr die Nahrungsaufnahme der Bewohner um 25 Prozent und ihre Flüssigkeitsaufnahme sogar um 84 Prozent erhöht werden.