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«Viel Desinfektion hilft nicht immer viel»

Die Corona-Pandemie stellt die Hauswirtschaft vor neue Herausforderungen. Regula Knobel, Vorstandsmitglied des Berufsverbands Hotellerie Hauswirtschaft, gibt Tipps.

  • Aufgrund der Corona-Pandemie wird derzeit häufiger und gründlicher gereinigt. Manche Massnahmen sollen auch nach der Krise beibehalten werden. (Unsplash)
  • bvhh-Vorstandsmitglied Regula Knobel will die höheren Reinigungsfrequenzen auch nach der Coronakrise beibehalten.

Regula Knobel, Sie leiten die Hotellerie in der Klinik Schönberg in Gunten/BE. Wie haben sich die Anforderungen im Bereich Reinigung aufgrund des Coronavirus verändert?
Die Situation hat sich insofern geändert, als wir Tastpunkte und Oberflächen noch konsequenter, häufiger und gründlicher reinigen. Wir achten besonders darauf, die Reinigungstechniken korrekt anzuwenden. Zudem haben wir alle Materialien und Utensilien auf ihre Tauglichkeit in der neuen Situation überprüft.

Welches waren die grössten Herausforderungen?
Zu Beginn der Pandemie war es zum Teil schwierig, Reinigungs- und Desinfektionsmittel zu beschaffen. Danach galt es, die richtigen Mittel anzuwenden, damit es keine Schäden auf den Oberflächen gibt. Mittlerweile ist zu bedenken, dass auch Reinigungsmittel ein Ablaufdatum haben und man nicht riesige Lagermengen bestellen sollte. Denn das Virus entwickelt sich weiter, und es kann sich eine gewisse Resistenz gegen Reinigungsmittel ergeben.

Beobachten Sie, dass die Oberflächen unter den erhöhten Reinigungsfrequenzen leiden? Wie begegnen Sie diesem Problem? 
Ja, das beobachten wir. Es ist wichtig, mit dem Reinigungsmittellieferanten die Anwendungsbereiche genau zu besprechen. Zudem sind regelmässige Schulungen wichtig, damit die Mitarbeitenden wissen, wo und wie welche Reinigungs- und Desinfektionsmittel genau  eingesetzt werden. Denn einfach viel Desinfektionsmittel auf einer Oberfläche zu verteilen, hilft nicht zwingend viel.

Benötigt die Reinigung in Zeiten von Corona mehr Zeit als zuvor? 
Aus meiner Sicht dauert die Reinigung nicht viel länger. Wichtig ist, dass sie systematischer und konsequenter umgesetzt wird. Daher waren bei uns auch nur einige kleine Anpassungen der Arbeitszeiten in der Hauswirtschaft nötig. 


«Das Virus entwickelt sich weiter und kann resistent werden.»


Welche Tipps und Tricks haben Sie für die Mitarbeitenden der Branche, um mit der aktuellen Situation umzugehen?
Abgesehen von der Auseinandersetzung mit den passenden Desinfektions- und Reinigungsmitteln rate ich vor allem eines: Man sollte sich vor der Situation nicht fürchten. Wenn man sich an die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit und an die gut etablierten Hygienerichtlinien in der Schweiz hält, kann man sehr gut mit der Situation umgehen. Wir leben in einem privilegierten Land, wo unsere Freiheiten nicht so drastisch eingeschränkt sind wie anderswo. 

Irgendwann wird die Krise hoffentlich vorbei sein. Welche Änderungen im Bereich Hygiene und Reinigung haben sich auch unabhängig von Corona bewährt?
Sicherlich werden die teils höheren Reinigungsfrequenzen beibehalten. Zudem werden die Desinfektionsmittelspender stehenbleiben. Ebenfalls beibehalten werden wir die Schulungen der Mitarbeitenden zu Themen wie korrekte Händedesinfektion, An- und Ausziehen von Schutzkleidung, richtige Handhabung von Mund- und Nasenschutz sowie Isolationsreinigungen. Da wir eine Rehaklinik sind, müssen unsere Mitarbeitenden wissen, welche Krankheitsbilder und Isolationsarten es gibt.

Können Sie aus der Krise auch etwas Positives mitnehmen? 
Sicherlich ist unser Team in dieser Zeit näher zusammengerückt, da grosse Ängste vorhanden waren. Es wurden viele persönliche Gespräche geführt, in denen man mehr über die Mitarbeitenden erfahren hat. Was allerdings bleibt, ist die allgemeine Unsicherheit. Insbesondere jetzt, wo uns die zweite Welle trifft. Das bedeutet für den Betrieb wieder stärkere Anpassungen an die verschärfte Situation. Und privat fragt man sich, wann wir unsere Freiheiten wieder erhalten und man nicht mehr alles hinterfragen muss. Letztlich heisst die Devise aber: Positiv bleiben und das Beste aus der Situation machen.

(Interview Angela Hüppi)


Zur Person


Regula Knobel ist eidg. dipl. Hauswirtschaftsleiterin und Teamleiterin Hauswirtschaft in der Klinik Schönberg in Gunten/BE. Seit 2012 ist sie Vorstandsmitglied des Berufsverbands Hotellerie Hauswirtschaft und seit 2015 Präsidentin der Region Zentralschweiz.